Durchfall und Erbrechen

 

Durchfall ist bei Kindern ein sehr häufiges Symptom. Durch den Verlust von Wasser und Salzen (Elektrolyten) kann es vor allem bei Säuglingen schnell zu einem sehr ernsten Krankheitsbild kommen, das umgehend ärztlicher Behandlung bedarf. Von einer Durchfallerkrankung spricht man bei mehr als 3 dünnen Stühlen pro Tag bei älteren Kindern und mehr als 5 dünnen Stühlen bei Säuglingen. Die Stühle stinken oft mehr als sonst. Akute Durchfallerkrankungen werden meist durch Viren oder Bakterien ausgelöst, oft geht dem eigentlichen Durchfall eine ½ - 1 ½-tägige Phase mit Fieber und/oder Bauchschmerzen und häufig auch Erbrechen voraus. Das Auftreten von blutigen Durchfällen ist ein Warnzeichen für das Vorliegen einer schwereren Durchfallerkrankung. Das Wichtigste bei Durchfallerkrankungen mit oder ohne Erbrechen ist die konsequente Flüssigkeitszufuhr. Kinder, die schlecht trinken, sehr schlapp oder krank wirken und kleinere Säuglinge immer bei mir anschauen lassen oder zumindest mit einem Kinderarzt telefonieren.

 

Auch bei Kindern, die erbrechen, sollte weiterhin in kleinen Portionen, notfalls löffelweise Flüssigkeit gegeben werden (z.B. alle 2 Minuten ein Teelöffel). Je kränker das Kind wirkt, desto dringlicher. Manchmal wird kalte Flüssigkeit besser behalten.

 

Fertige Elektrolytlösungen (Oralpädon) sind ideal geeignet, aber bei unkomplizierten Durchfällen (Kinder über einem Jahr, die in gutem Allgemeinzustand sind) nicht immer nötig. Sie schmecken nicht ganz so gut und werden von den Kindern oft ungern genommen.

Bei Säuglingen unter einem halben Jahr oder sehr kranken Kindern sind sie jedoch besser wirksam als der selbstgemachte Tee (s.u.).

 

Die beste selbsthergestellte Flüssigkeit ist Wasser oder Tee (Leitungswasser, Mineralwasser, jeder Tee, der leicht ist und dem Kind schmeckt, auch Heidelbeertee, Brombeerblättertee, leichter (!) Schwarztee ab 3 Jahre) mit etwas Zucker und Salz:

 

Auf einen Liter Tee: 2 gehäufte Esslöffel (oder 8 Teelöffel) Zucker und ein knapper Teelöffel Salz.

 

Diese Mischung darf mit wenig Fruchtsaft verfeinert werden.

 

Alternativen sind 1/3 Glas Coca Cola + 2/3 Glas Wasser + 1 Prise Salz.

Oder auch 1/8 l Tee oder Wasser (=125ml=kleines Glas) + 1 Teel. Traubenzucker + 1 Prise Salz

 

Stillkinder sollten auf jeden Fall weiter gestillt werden und häufig angelegt werden. Häufig Elektrolytlösung (s.o.) anbieten. Alternativ evtl. Reisschleim trinken lassen (z.B. Bessau Reisschleim Elektrolyt Diät, Fa. Töpfer, in der Apotheke)

 

Flaschenkinder bekommen die gewohnte Milch weiter. Heilnahrung ist nicht unbedingt nötig aber erlaubt. Sie bringt bei akuten Durchfällen wenig Vorteile. Auch ein Verdünnen der gewohnten Milch ist nach den neuesten Empfehlungen nicht mehr erforderlich. Dazu Tee (s.o.) oder Reisschleim (s.o.)

 

Nur bei sehr starkem, wiederholtem Erbrechen ist bei größeren Kindern kaltes Cola in kleinen Portionen erlaubt, wenn die (größeren) Kinder es wünschen. Sobald das Erbrechen nachlässt, wieder aufhören, da es den Durchfall fördern kann (zu viel Zucker).

 

Mit fester Nahrung kann und soll von Anfang an begonnen werden, sobald wieder etwas vertragen wird und das Kind dies will. Sogenannte Teepausen sind nicht empfohlen. Es darf (fast) alles gegessen werden.

 

Ideal für den Anfang wäre trockenes Gebäck (z.B. Brezen), Kartoffelbrei, Karotten, Bananen, frisch geriebener Apfel, Reis, Nudelsuppe, dünne Fleisch oder Gemüsebrühe, Zwiebackbrei, Knäckebrot.

 

Nicht so gut geeignet sind Süßigkeiten wie Schokolade, sehr fette, sehr saure oder sehr scharf gewürzte Speisen.

 

Stuhluntersuchungen haben in der Regel keine Konsequenz für die Behandlung, so dass man meist darauf verzichten kann. Nur bei sehr schweren Durchfällen vor allem mit blutigen Stühlen sollte dies, auch zum Schutz der Umgebung, erwogen werden. Die Entscheidung hierfür liegt beim Arzt!

 

Medikamente (z.B. Hefepräparate, Antibiotika etc.) sind meist nicht nötig. Wenn der Durchfall nach 3-4 Tagen überhaupt nicht besser wird, können sie erwogen werden. Gegen sehr starkes Erbrechen kann man versuchsweise Zäpfchen einsetzen.

 

Hygiene ist wichtig, da Durchfälle über Stuhl und Hände übertragen werden. Also häufiges und konsequentes Händewaschen nach dem Toilettenbesuch, Windelwechsel, vor dem Kontakt mit anderen Personen, Essen etc. Solange die Stühle flüssig sind, sollten Vorschulkinder keine Gemeinschaftseinrichtungen besuchen (Krippe, Kindergarten).

 

 

letzte Änderung 5/2016

 

 

Dr. Christian Haas

 

Kinder- und Jugendarzt

Allergologie Umweltmedizin

 

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